Von Mathias Frei, 15.02.2010


Albanisch-islamische Jugendliche besuchten gestern die katholische Kirche St. Ulrich. Sie staunten über die vielen Figuren.

 

KREUZLINGEN – Eben ist der Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Ulrich in Kreuzlingen zu Ende gegangen. Der Wind ist kalt, Schneeflocken tanzen in der Luft. Die Kirchgänger treten den Heimweg an, eine Gruppe Jugendlicher bleibt zurück. Es sind Schülerinnen und Schüler von der ersten Primarklasse bis zur dritten Oberstufe, welche in der Kreuzlinger Moschee den Religionsunterricht besuchen. Mehr als 40 von ihnen sind gekommen, zusammen mit ihrem Imam, Rehan Neziri. Es ist der erste offizielle Besuch von Kreuzlinger Muslimen bei den Katholiken. 


Bänke statt Teppiche 

Am schönsten sei es, wenn alle Religionen friedlich nebeneinander leben könnten, begrüsst Gemeindeleiter und Diakon Matthias Loretan. Heute gehe es darum, Gemeinsamkeiten des katholischen und des islamischen Glaubens zu sehen. Was anders ist, solle nicht als besser oder schlechter bewertet werden. Loretan fragt, was hier anders sei als in ihrer Moschee. Hier habe es viel mehr Zeichnungen, meint ein Junge. Zudem habe es in der Moschee Teppiche statt Bänke, hilft Loretan nach. Eine Gemeinsamkeit sei die Ehrfurcht vor Gott. Viel heller sei es hier, flüstert einer seinem Banknachbarn.

 

Handschlag

 
Gott sei näher bei uns als die Halsschlagader, sagt Neziri. Loretan stimmt ihm zu. Gott brauche weder eine Kirche, noch eine Moschee, denn er sei überall. Loretan erklärt die Szenen und Figuren auf den Altären. Die Jugendlichen staunen über 280 Holzfiguren in der Ölbergkapelle. Zum Schluss gibt es etwas zu trinken, Zopf und Schoggistengeli in der Sakristei.

Der Mesmer erklärt einem der erwachsenen muslimischen Begleiter, wie die Glockensteuerung funktioniert.

«Habt Freude an Eurem Glauben und lasst andere anderes glauben», gibt Loretan auf den Weg. Neziri verabschiedet sich mit einem freundschaftlichen Handschlag von Loretan. Die nächste interreligiöse Veranstaltung in Kreuzlingen steht schon fest: Es ist das gemeinsame Abschlussfest zum Ende des Ramadans am 12. September. 

 

(ThurgauerZeitung)