Stellungnahme zur Minarett-Initiative
für E1NS Magazin


Die Gründung

Die AIG (Albanisch-Islamische Gemeinschaft) "Hëna e re" wurde im Jahr 1993 in Form eines Vereins von sehr motivierten und hilfsbereiten Gastarbeitern, an der Kirchstrasse 5 f in Kreuzlingen gegründet. Im Jahr 2007 gelang es uns, ein Objekt an der Romanshornerstrasse 16 zu erwerben, das wir durch erneute Spenden und die grosse Anzahl freiwilliger Helfer im März 2008 beziehen konnten. Unter dem Motto „Offenheit und Transparenz“ traten wir in der Öffentlichkeit auf, um die Angst und die Vorurteile gegenüber dem Islam einzudämmen.


Minarett als Option

Nach dem Erwerb des neuen Objekts stand der Bau eines Minarettes zur Diskussion, jedoch entschieden wir uns zu diesem Zeitpunkt, darauf mittelfristig zu verzichten. Die Gründe zu dieser Entscheidung waren: 

- die Verzögerung des ganzen Projektes
- die fehlende Bewilligung
- die schlechte finanzielle Lage
- die nicht-optimale Stimmung und die Angst in der Öffentlichkeit

Alles in einem war der Schritt für ein solches Projekt unreif. Wir beschlossen, uns für diesen Schritt Zeit zu nehmen und uns für gegenseitiges Vertrauen und Akzeptanz für die hiesigen Religionen einzusetzen.  


Die Rolle der Minarette im Islam

Ein entrichtetes Gebet in einem Objekt mit Minarett ist nicht wertvoller als ein solches in einer Moschee ohne Minarett. Natürlich liegt es im Herzen eines Muslims, eine Moschee mit allen dazu gehörenden Bestandteilen zu haben. Ein Minarett zeigt einen Gebetsort an. Es ist grundsätzlich das Äquivalent zum Kirchturm. Es ist nicht mehr und nicht weniger. 

Eine Überinterpretation wäre in diesem Fall völlig fehl am Platz. Von einem symbolischen Machtanspruch kann deshalb keine Rede sein, weil für Muslime das Minarett als bauliches Erkennungsmerkmal für eine Moschee und als architektonisches Element ihres gelebten Glaubens gilt. In vielen muslimischen Städten und Dörfern, wo nur Muslime leben, gibt es Minarette. Die Frage in diesen Ortschaften ist nun, wer gegen wen ein Machtsymbol bauen will, wo alle Muslime gleich sind?

Als freiheitlicher, demokratischer Rechtsstaat müsste die Schweiz für eine Gleichbehandlung der Religionen sorgen und die Integration der islamischen Gemeinschaften in der Schweiz mit konkreten Massnahmen aktiv fördern. Beispielsweise durch regelmässige Treffen der Moscheeverantwortlichen mit der lokalen Bevölkerung, die Öffnung der Moscheen und islamischen Kulturzentren für Nichtmuslime zu gewissen Zeiten, die Gründung lokaler interreligiöser Gesprächskreise, die Weiterbildung der Imame in einer Landessprache und ähnliches.
 

Imam Rehan Neziri
Albanisch Islamische Gemeinschaft, Kreuzlingen

 

Hier der Artikel bei E1NS im PDF